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Rampf und Dreier gegen Krankenhaus-Fusion


Bericht aus der Landshuter Zeitung, vom 04.09.2014, Uli Karg, Horst Müller und Johannes Viertlböck: Oberbürgermeister und Landrat setzen vielmehr auf Kooperation und Win-win-Situation

"Kooperation im medizinischen Bereich wollen wir nicht übers Knie brechen.""Kooperation im medizinischen Bereich wollen wir nicht übers Knie brechen": Landrat Peter Dreier. 

Dass die Stadt und der Landkreis miteinander mehr für die Region und ihre Bürger erreichen können, dafür liefert der gemeinsame Berufsschulzweckverband den besten Beweis, weil ein 100-Millionen-Euro-Projekt wie die Sanierung und Erweiterung der Landshuter Berufsschulen anders nicht zu finanzieren wäre.  Doch nicht nur bei der Bildung, sondern auch in Sachen Gesundheit streben Oberbürgermeister Hans Rampf (CSU) und Landrat Peter Dreier (FW) künftig eine enge Zusammenarbeit an. Eine Fusion des städtischen Klinikums mit der kreiseigenen Krankenhaustochter Lakumed kommt für die beiden Häusern an, die zu einer Win-win-Situation führen, wie sie im zweiten Teil ihres Sommerinterviews mit unserer Zeitung erläutern.

Die Hochschule Landshut wächst seit Jahren stark. Tut der Freistaat genug für diese Einrichtung?

Hans Rampf: Wir dürfen bei der Hochschule nicht auf höchstem Niveau jammern, denn da tut sich jetzt einiges: Wir bekommen einen Riesenneubau dazu, die Studentenwohnungen werden erneuert, eine Kinderkrippe und ein Kindergarten kommen dazu. Es ist also nicht so, dass wir vom Ministerium nicht gut bedient würden. Aber: Wir müssen den Hochschulstandort, nicht zuletzt wegen der Automobile-Lastigkeit, weiterentwickeln. Vor allem bei der Informationstechnologie und Medizintechnik haben wir noc Nachholbedarf. Unsere Hochschule verfügt über ein unwahrscheinliches Zukunftspotenzial.

Die steigenden Studentenzahlen führen auch zu Problemen auf dem Wohnungsmarkt. Könnten die Umlandgemeinden die Stadt in der Hinsicht entlasten?

Peter Dreier: Momentan vielleicht noch nicht, aber das kann sich ändern, zumal die Entwicklung der Hochschule sehr positiv und wichtig für unsere Region ist, speziell für das Thema, das wir über unser Regionalmanagement favorisieren; die Bildungsregion Landshut. Da gehören natürlich auch Studentenwohnheime dazu. Wenn wir dann noch die anderen Themen, auf die wir setzen, dazunehmen wie etwa die Verkehrsachsen oder den Landshuter Verkehrsverbund (LVV), dann wird plötzlich auch ein Standort etwas weiter weg vom eigentlichen Campus interessantm weil dort unter Umständen auch die Mietpreise erschwinglicher sind. Und mit Blick auf das Thema Osttangente bietet es sich ja geradezu an, dass man auch an Altheim oder Essenbach denkt.

Berufsschulen: der beste Beweis für eine funktionierende Zusammenarbeit

Im Berufsschulzweckverband arbeiten Stadt und Landkreis seit vielen Jahren gut zusammen. Derzeit werden beide Berufsschulen für eine Menge Geld generalsaniert und teils neu gebaut; dabei gab es wiederholt Probleme. Wie sieht es derzeit aus?

Rampf: Als in den Jahren 2009/2010 die Planungen erstellt wurden, sind zum Beispiel die Indexzahlen oder die Lohnsteigerungen nicht berücksichtigt worden. Wir haben die nackten Zahlen genommen und berechnet, was zum damaligen Zeitpunkt die Berufssschulen 1 und 2 gekostet hätten. Das ist nicht üblich, aber wir haben das auch wegen der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, Anm. d. Red.) so gemacht, damit die Honorare der Plander nicht aus dem Ruder laufen. Das ist damals so beschlossen worden, ob es rückblickend richtig war, da möchte ich ein Fragezeichen setzen. Womit wir zuletzt immer Probleme hattenm was das Nachtragsmanagement: Wenn Firmen ihren Abschluss machenm wird halt gerne versucht, noch nachzubessern. Das haben wir aber einigermaßen im Griff, wobei wir aber nichts dafür können, wenn wir im Mittelteil der Berufsschule 1 Altlasten in der Erde feststellen. Das kostet dann natürlich gleich ein paar Hunderttausend Euro. Andererseits haben wir oft auch Minderausgaben aufgrund der Ausschreibungen. Grundsätzlich wird aber der von uns gesteckte Rahmen eingehalten. Wir sind einigermaßen im Zeitplan, aber es wird auch in Zukunft nicht ohne Probleme abgehen.

Dreier: Was sich für mich wie ein roter Faden durchzieht, das sind die Insolvenzen - zum Beispiel Alpine oder speziell das Planungsbüro - , die dann immer wieder zu Mehrkosten führen, sei es wegen Planungsmängeln oder weil einiges nachbearbeitet werden muss. 

Einige Stadträte kritisieren das Finanzierungsmodell des Zweckverbands, da Stadt und Landkreis die Kosten zu gleichen Teilen tragen müssen. Angeregt wird stattdessen, die Kosten im Verhältnis der Einwohnerzahle aufzuteilen. Das würde bedeuten, dass der Landkreis künftig rund doppelt so viel zahlen müsste wie die Stadt. Wäre eine Änderung in diese Richtung denkbar?

Rampf: Das kann man natürlich immer kritisch hinterfragen, aber das Thema ist gegessen. Wir haben die 50:50-Aufteilung 2008 bewusst so beschlossen, weil bei einem Projekt dieser Größenordnung eine gewisse Gleichstellung gegeben sein muss. Für die Stadt als Eigentümerin des Grundstücks und der Gebäude war es wichtig, dass wir die Berufsschulen weiterhin in Landshut haben, in dieser guten Lage mit Bahnhofsnähe und ÖPNV-Anbindung. Aus dem Landkreis war nämlich der Vorschlag gekommen, ein völlig neues Berufsschulzentrum außerdem der Stadt zu bauen.

Dreier: Die Gründung des Berufsschulzweckverbandes war die große Leistung unserer Vorgänger, OB Josef Deimer und Landrat Josef Eppeneder. Das war ein wichtiger Schritt.

Rampf: Ja, genau. Wenn wir das nicht miteinander geschafft hätten, dann würden die Berufsschulen 1 und 2 in Zukunft nicht mehr den Stellenwert in Niederbayern haben, den sie jetzt haben. Wir haben ja jetzt auch die Sprengelabsicherung bekommen, und ich kann hundertprozentig sagen, dass sich die Stadt Landshut die Sanierungen und die technischen Nachrüstungen für die einzelnen Ausbildungsrichtungen trotz aller Fördermittel nicht mehr hätte leisten können, wenn die Berufsschulen in städtischer Hand geblieben wären. 

Ein heißes Eisen zwischen Stadt und Landkreis sind seit Jahrzehnten die Krankenhäuser. In welchen Bereichen kooperieren das Klinikum und das Kreiskrankenhaus Achdorf bereits und wie sind die Erfahrungen damit?

Rampf: WIr haben hier durch Peter Dreuer einen neuen Wind reinbekommen und schon einmal im kleinen Kreis mit den Geschäftsleitungen von Klinikum und Lakumed die grobe Richtung vorgeben: Dass wir natürlich nicht fusionieren wollen, sondern dass jeder seine Eigenständileit behalten soll. Aber: Wo eine Win-win-Situation entstehen kann, sollten wir dringend Kooperationen vorantreiben. Da sind momentan zwei, drei Bereiche im Gespräch, die abgeklopft werden, so dass wir beide davon profitieren. Es ist gut möglich, dass wir hier noch heuer erste Zeichen setzen.

Dreier: Wir werden unsere Gespräche im Herbst fortsetzen. Mir war es wichtig, dass wir uns über mögliche Formen einer Kooperation austauschen. Die Möglichkeiten, die man als Erstes gesehen hat, werden derzeit von den Geschäftsleitungen aufbereitet.

Um welche Bereiche handelt es sich?

Rampf: Die Apotheke wäre zum Beispiel ein Thema. Oder auch die Pathologie, die momentan schwerpunktmäßig bei uns angesiedelt ist. Das Labor ist auch so ein Thema. Da gibt´s auf jeden Fall einige Möglichkeiten, die in Betracht kommen. Wir hatten früher schon einmal angedacht, ob man nicht den ganzen Wirtschaftsbereich zusammenführen könnte. Dabei wurde aber festgestellt, dass dies für beide Seiten keine Vorteile bringt.

Dreier: In erster Linie geht es zunächst vor allem um jene Bereiche, von denen die Patienten nichts mitbekommen. Darüber hinaus sollen aber Möglichkeiten der Kooperation auch auf anderen Feldern gesucht und bis in den medizinischen Bereich hinein fortgesetzt werden, Stichwort: Schwerpunktmedizin.

Rampf: Das ist natürlich immer auch Chefarztsache. Und wer gibt schon gerne etwas von seinem Kuchen ab. Darum muss man hier sehr vertrauensvoll und behutsam vorgehen. Aber wir haben bereits festgestellt, dass sich einige Chefärzte priat über diese Themen unterhalten und sich Gedanken machen.

Dreier: Das können und wollen wir nicht übers Knie brechen.

Rampf: Aber der Wille ist da, und die Notwendigkeit ist inzwischen auch erkannt worden. Unser neuer Klinikums-Geschäftsführer macht ebenfalls den Eindruck, dass er kooperieren möchte.

Welche Prinzipien und Grundsätze stehen denn in Bezug auf eine intensivere Krankenhaus-Kooperation überhaupt nicht zur Disposition?

Dreier: Für mich ist ganz klar die Marschroute, die flächendeckende medizinische Versorgung zu erhalten. Das schließt das Krankenhaus Vilsbiburg, die Schloßklinik Rottenburg mit der Anschluss-Reha und das Achdorfer Krankenhaus mit ein. Daran wird nicht gerüttelt. 

Medizinische Versorgung: Region mit Klinikum und Lakumed gut aufgestellt

Rampf: Im Gegenteil: Ich glaube, dass wir in der Region mit Lakumed und dem Klinikum unwahrscheinlich gut platziert sind. Jeder hat so seinen gewissen Schwerpunkt und seine Qualitäten. Beim Landkreis ist wichtig, dass die Fläche bedient wird. Wir sehen vor allem ein Riesenpotenzial im Sekundärbereich, wo wir wirklich problemlos zusammenarbeiten können, ohne dem anderen irgendetwas wegzunehmen. Der Landkreis investiert in den nächsten Jahren 30 bis 40 Millionen Euro in seine Krankenhäuser in der Stadt leicht vertragen. Und mit Lakumed in der Fläche wäre die ganze Region abgedeckt.

Dreier: Dabei müssen wir uns auch die Gedanken machen über die Hausarztversorgung, weil speziell im ländlichen Bereic der Hausarzt zur Grundversorgung dazugehören. Wenn das nicht gewährleistet ist, werden wir in Zukunft Riesenprobleme haben, weil immer mehr Ärzte altersbedingt aufhören und die Praxen nicht mehr besetzt werden können. An diesem Thema werden wir hartnäckig dranbleiben, mit Einschaltung unserer Abgeordneten, aber auch mit Unterstützung unserer Bürgermeister, die teilweise schon ganz konkret davon betroffen sind, so etwa in Obersüßbach oder Adlkofen. Aufgreifen will ich auch die Förderung der Ausbildung von jungen Haus- und Allgemeinärzten, die sich dann bei uns niederlassen. Unsere Chefärzte sind da sehr offen. 

Rampf: Es muss eine gewisse Attraktivität für den Landarzt gegeben sein, da muss mehr passieren. Denn wenn ein Oberarzt in einem Klinikum mit geregelten Arbeitszeiten das gleiche Gehaltsniveau erreicht, wie will man dann einen jungen Arzt dazu bringen, dass er am Wochenende zu einem Patienten fährt. Das schreckt ab, das muss finanziell attraktiv gestaltet werden, zum Beispiel mit Zuschüssen für die Praxiseinrichtungen, vor allem aber durch den Verdienst, der für junge Mediziner attraktiv sein muss.